Markt · 10. August 2026
Die Kartoffelsituation in Europa
Seit dem 1. Juli hat sich die Lage auf dem europäischen Kartoffelmarkt deutlich verändert — eine Rekordhitzewelle fiel mit einer Phase zusammen, in der die Erzeuger die Anbaufläche bereits zuvor reduziert hatten. Für industrielle Abnehmer bedeutet das eines: Es lohnt sich, die Kontraktierungsannahmen für die Saison 2026/2027 zu aktualisieren.
Kleinere Anbaufläche, noch bevor die Hitze kam
Schon vor Saisonbeginn bestätigte die NEPG (North-Western European Potato Growers) einen Rückgang der Speisekartoffel-Anbaufläche um rund 11% in der Region: Belgien -16,6%, Niederlande -15,1%, Frankreich -9,7%. In Polen schrumpfte die Fläche um rund 12% — ähnlich wie in der gesamten EU. Der Grund war einfach: Die Spotpreise der Vorsaison fielen auf €0-2/100 kg, unter die Produktionskosten, sodass ein Teil der Betriebe die Fläche auf andere Kulturen umstellte.
Hitzewelle in der entscheidenden Wachstumsphase
Hinzu kam eine Rekordhitzewelle — die Temperaturen überstiegen gebietsweise 40°C in Deutschland, Dänemark und Tschechien, genau in der Phase der Knollenbildung. Oberhalb von etwa 22–23°C bremst die Kartoffel ihr Wachstum, und anhaltender Hitzestress führt zu kleineren Knollen und schlechterer Rohstoffqualität. Am stärksten betroffen war Großbritannien (Cornwall, Südwestengland) — dortige Erzeuger berichten von Ertragsrückgängen von 30–40%. Signale eingeschränkten Wachstums kamen auch aus Spanien, den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Frankreich.
Was das für die Preise bedeutet
Vorläufige Schätzungen des IERiGŻ gehen für Polen von einer Ernte von rund 6 Millionen Tonnen aus (gegenüber 7 Millionen Tonnen im Vorjahr). Der Markt wird sich in zwei Segmente teilen: Die Preise für Stärke-/Industriekartoffeln bleiben durch niedrige Verarbeiterkontrakte unter Druck, während auf dem freien Markt — vor allem in der zweiten Saisonhälfte — mit Preiserhöhungen zu rechnen ist, sobald das begrenzte Angebot und die schlechtere Knollenqualität die Rohstoffverfügbarkeit für die Verarbeitung einschränken.
Für unsere Abnehmer bedeutet das eines: Eine frühzeitige Sicherung der Volumina für das erste Halbjahr 2027 kann sich stärker auszahlen als in einer typischen Saison. Wir verfolgen die Lage laufend und aktualisieren die Kontraktierungsbedingungen mit fortschreitender Ernte.